Just another Solo
Premiere @ 4UKREP Festival of Dance Perspectives
06 09 2025 Plesni Teater Ljubljana
First published in Slovene at / Zuerst erschienen auf Slowenisch auf:
➜ www.paradaplesa.si
+++ DEUTSCHE ÜBERSETZUNG IM ANSCHLUSS +++
Crazy sunglasses on the face and action! Premiere of Petra Peček’s dance solo – virtuosity and self-confidence!
Text: Urša Adamič . Photos: Drago Videmšek / PTL
The dance solo by Petra Peček, which premiered at the 4UKREP festival in Plesni Teater Ljubljana, poses fundamental questions about motivation and the creative struggle with oneself when it comes to authorial work. Why even dance? Why create, if art does not change the world? Why make a living from dance, if it provides neither a regular income nor stable health? On Saturday, September 6, we witnessed in the hall of Plesni Teater Ljubljana “just” Petra in “just another solo,” and yet she offered us so much. The convincing honesty with which she welcomed us at the beginning, and the virtuosity and confidence with which she danced her solo at the end, answered the posed questions and doubts. Creativity is important and necessary, as it pushes personal boundaries and resolves frustrations — both one’s own and those of others.
The costume design is the work of Tina Pavlin, who has demonstrated her understanding of movement through costume in many past projects. Here too, the costume has a multilayered usability: by undressing and changing, it alters its meaning. A jacket can become a scarf, and a costume made of multiple layers allows for transformation into new roles. The performer is also supported by Bor Prokofjev, himself a dancer and music producer, who contributed as the composer of the music. On stage, however, the dancer herself also takes care of the technical operation of sound and light. On stage, everything depends on her; this conceptually supports the thread of the performance, as in a solo theatrical event, the author alone bears full responsibility for the situation.
Thematically, the confrontation with oneself is not new — it is the spirit of a creative generation searching for its expression. Theoretically, the piece relies on a recorded lecture by Bojana Cvejić titled Aesthetic Individualism, or Dancing Solo in the 21st Century. In the excerpt played at the end of the performance, the author concludes that in contemporary dance solos, the very existence of the solo justifies its meaning. Self-referentiality is exposed as a creative necessity, from which, in today’s age of individualism, we can build our expression. Trapped in the constant replaying of different roles of oneself, and exhausted by endless rehearsal, the play of roles becomes an end in itself. Like a contemporary version of Plato’s cave, where because of the play of shadows we fail to see the real world, so in modern individualism, because of the play of roles, we fail to find our own expression.
The process of creating the performance was supported by dramaturg and mentor Andrea K. Schlehwein, an artist who leads the Center for Contemporary Dance and Art in the Austrian village of Millstatt. In the performance, we can clearly read a strong anchor in contemporary dance art — shaped by the conditions of creation, the expectations of the audience, and of the professional community. The self-referentiality of the piece is thus not present only on a personal level but, framed dramaturgically by Bojana Cvejić’s lecture, is also situated in a wider cultural context.
The place of Petra Peček, as we can experience her in Just Another Solo, lies somewhere in between — between the eccentric roles of vanity and authority, and the modest, simple love of dance. And if we want to truly feel the right to dance expression, we must first overcome all the grotesque figures of nightmares.
+++ DEUTSCH +++
„Durchgeknallte Sonnenbrille auf und Action! Die Premiere des Tanzsolos von Petra Peček – Virtuosität und Selbstvertrauen!“
Text: Urša Adamič . Photos: Drago Videmšek / PTL
Das Tanzsolo von Petra Peček, uraufgeführt beim 4UKREP-Festival im Plesni Teater Ljubljana, stellt grundlegende Fragen zum Thema Motivation und zum kreativen Kampf mit sich selbst, wenn es um das eigene Schaffen geht. Warum überhaupt tanzen? Warum kreativ sein, wenn Kunst die Welt doch nicht verändert? Warum Tanz zum Beruf machen, wenn er weder ein regelmäßiges Einkommen noch gesundheitliche Stabilität bietet?
Am Samstag, den 6. September, sahen wir im Saal des Plesni Teater Ljubljana „einfach“ Petra in „einfach einem weiteren Solo“ – und doch hat sie uns viel geboten. Die überzeugende Aufrichtigkeit, mit der sie uns zu Beginn willkommen hieß, die Virtuosität und das Selbstvertrauen, mit dem sie am Ende ihr Solo tanzte, gaben Antwort auf die aufgeworfenen Fragen und Zweifel. Kreativität ist wichtig und notwendig, da sie persönliche Grenzen verschiebt und Frustrationen abbaut — sowohl eigene als auch die von anderen.
Die selbst kreierte Solo-Performance der Tänzerin Petra Peček mit dem bezeichnenden Titel „Just Another Solo“ geht von der pessimistischen wie ehrlichen Prämisse aus, dass sie nichts Außergewöhnliches zu sagen hat. Mit ihrer uneitlen Art gelingt es ihr dennoch, uns mit viel Selbstironie und gewitzten Kommentaren zu überraschen. Gleich zu Beginn gesteht die Tänzerin, dass sie mit ihrer Arbeit nie zufrieden ist. Natürlich ist sie überglücklich, dass sie ihr eigenes Solo gestalten kann, aber sie hat auch enorme Schwierigkeiten damit, weil sie nicht weiß, wie sie mit sich selbst arbeiten soll. Sie überlässt die Arbeit daher einer Reihe von exzentrischen Sonnenbrillen: Wenn sie sie aufsetzt, wird sie zu jemand anderem. So arbeitet sie nicht mehr mit sich selbst, sondern mit Rollen, die sie gekonnt durchspielt.
Im Laufe der Aufführung lernen wir mehr oder weniger selbstsichere Versionen der Tänzerin kennen, die viele Facetten des Lebens einer angehenden Profitänzerin offenbaren. Von der übermäßig selbstbewussten und eigensüchtigen Diva, die auf jeden ihrer Schritte stolz ist, bis hin zur Primaballerina, die den Tod von Wagners Tristan aus dessen berühmter Oper „Tristan und Isolde“ beweint. Auch rechnet sie mit aggressiven Tanzautoritäten ab, die ihre Tänzer:innen mit Beleidigungen dirigieren, sowie mit unterträglichen Auditions, bei denen man stundenlang für die Anmeldung anstehen muss. Über Ihre Zukunft erkundigt sie sich sogar bei einer betrübten Wahrsagerin, die mit jeder ihrer Antworten die Träume der Tänzerin zunichte macht. Alle Rollen sind komisch und übertrieben expressiv angelegt, wie groteske Gestalten aus Albträumen.
Die Kostüme stammen von Tina Pavlin, die bereits in zahlreichen früheren Produktionen ihr Gespür für Bewegung durch Kostüme unter Beweis gestellt hat. Auch in dieser Aufführung zeigt sich die vielschichtige Verwendbarkeit des Kostüms, das durch Aus- und Umziehen seine Bedeutung verändert. Eine Jacke kann zum Schal werden und das mehrschichtige Kostüm ermöglicht den fliegenden Wechsel in andere Rollen. Musikalisch unterstützt wird die Performerin von Bor Prokofjev, selbst Tänzer und Musikproduzent, der hier als Komponist mitgewirkt hat. Auf der Bühne kümmert sich übrigens die Tänzerin selbst um die technische Bedienung von Ton und Licht. Hier hängt alles von ihr ab, was konzeptionell die Grundidee der Aufführung untermauert, da im Solotheater allein der Autor/die Autorin für die Situation gesamtverantworlich ist.
Der Schaffensprozess des Stücks wurde von der Dramaturgin und Mentorin Andrea K. Schlehwein begleitet, einer Künstlerin, die in der österreichischen Gemeinde Millstatt ein Zentrum für zeitgenössischen Tanz und Kunst leitet. Die Performance ist deutlich in der zeitgenössischen Tanzkunst verankert – geprägt von den Schaffensbedingungen, den Erwartungen des Publikums und der Fachwelt. Die Selbstreferenzialität des Stückes zeigt sich also nicht nur auf persönlicher Ebene, sondern wird – dramaturgisch eingerahmt durch Bojana Cvejićs Vortrag – auch in einem breiteren kulturellen Kontext gestellt.
Der Platz von Petra Peček, wie wir sie in „Just Another Solo“ erleben, liegt irgendwo im Zwischenraum — zwischen den exzentrischen Rollen von Eitelkeit und Autorität und der bescheidenen, einfachen Liebe zum Tanz. Wenn wir das Recht auf tänzerischen Ausdruck aufrichtig spüren wollen, müssen wir zuerst all die grotesken Albtraumfiguren überwinden.
Übersetzung: Roman Zotter
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